Herzlich Willkommen auf der Trade Show No. 4, Captain Santors

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Die neue und überfällige Wertschätzung qualitativ hochwertiger Produkte hat in den vergangenen Jahren einen veritablen Heritage-Boom hervorgebracht, in dem alte und seit jeher hervorragende Traditionsmarken ihren zweiten oder dritten Frühling erleben. Zeitgleich sind ebenso gänzlich neue Marken entstanden – manche als bloße Trittbrettfahrer eines vermeintlichen Trends, andere
hingegen aus einem tiefen Bedürfnis, ihren Beitrag zu einem wiederauflebenden Qualitätsbewusstsein zu leisten und dabei ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. So wie Captain Santors.

Und diese wunderbare Geschichte beginnt mit einem kleinen Jungen aus Kalabrien, tief im Süden Italiens, am dicken Zeh jenes berühmten Stiefels, wo die Sonne die meiste Zeit des Jahres nordafrikanisch heiß herunterbrennt und dem Mittelmeer das betörende „Azzurro“ verleiht, für dessen Blau es keine angemessene Übersetzung geben kann. Mitten in dieses Azzurro hinein wird jener kleine Junge geboren, denn das Haus seiner Eltern steht so nah am Strand, dass der Junge von seinem ersten Augenaufschlag an dieses tiefblaue Meer für immer in sich tragen wird. Noch bevor er richtig laufen kann, verbringt er schon mehr Zeit auf dem Wasser als an Land und steigt bei jeder Gelegenheit zu den einheimischen Fischern aufs Boot. Die hart arbeitenden Männer schließen den Kleinen rasch in ihr Herz. Er trägt den Namen Gianluigi Santoro, doch so nennt ihn schon ganz bald niemand mehr. Als sein Vater ihm zu seinem zehnten Geburtstag sein erstes eigenes Boot schenkt und der kleine Junge mit seinem stolzen, viereinhalb Meter langen neuen Besitz nun quasi überhaupt nicht mehr an Land zu holen ist, rufen ihn längst alle nur noch: „Captain Santors“.

 

Und dieser junge Captain saugt alles in sich auf, was ihm das harte, aber von maritimen Genüssen, Gerüchen und Geschichten so überbordende Leben in seiner mediterranen Heimat beschert. Ob er frühmorgens mit den anderen Seefahrern zum Fischfang aufbricht und das stille Meer so glatt und erhaben scheint wie schwarzer Marmor, ob er im tosenden Sturm über das schäumende Weiß der Wellen zurück in den Heimathafen reitet, im Heck seines kleinen Bootes ein frischer Calamaro oder Polpo oder Branzino, ob er Netze, Segel oder Takelage flicken und reparieren muss und dabei den Erzählungen der Alten zuhört, ob er sich abends bei seiner geliebten Nonna Costanza einkuschelt, die wieder mit einem dampfenden Fischragout auf ihn gewartet hat, wie es so köstlich nur Großmütter hinbekommen – es ist seine Welt und Gianluigi liebt jeden Moment, jedes Detail an ihr.

Natürlich werden kleine Jungs irgendwann einmal groß und interessieren sich für andere Dinge. Doch auch wenn das Meer in den kommenden Jahren einen zusehends kleineren Teil in Gianluigis Leben einnehmen wird, so soll es doch für immer in seinem Innersten bleiben. Im Alter von 18 Jahren verlässt er den Süden Italiens und zieht in die Toskana, um an der Universität von Siena Jura zu studieren. Anschließend zieht er nach Bologna und wird Anwalt. Als er nach einiger Zeit im Beruf unter anderem als Rechtsberater für die eine oder andere bekannte Bekleidungsmarke tätig wird, kommt er nicht nur in immer intensiveren Kontakt mit der Modewelt; es entwickelt sich bei ihm ganz allmählich auch eine Idee, die ganz stark von jenen wunderbaren Jahren seiner Kindheit befeuert wird: Die Erinnerung an die einfache, aber großartig verarbeitete Arbeitskleidung jener Fischer und Seeleute lässt ihn irgendwann von einem eigenen Label träumen, unter dem er jenen zeitlos maritimen Stil neu interpretieren will. Es müssen jedoch noch viele Jahre vergehen, bis Gianluigi die richtigen Leute trifft, die ihm ihr Knowhow beim Aufbau einer eigenen Bekleidungsmarke vermitteln. Im Jahre 2015 ist er schließlich bereit, den großen Schritt zu gehen und mit Captain Santors sein ganz eigenes Label zu gründen – unterstützt von Marco, Andrea und Antonio, seinen drei besten Freunden aus kalabrischen Kindheitstagen.

Beim Aufbau der ersten eigenen Kollektion lassen sich die vier nicht nur von ihren Erinnerungen an die Kleidung der Fischer ihrer süditalienischen Heimat inspirieren. Sie stecken die Bandbreite ihrer maritimen Referenzwelt viel weiter ab und nehmen Einflüsse von alten Militäruniformen der Marine genauso in ihre Entwürfe auf wie die charakteristischen Übermäntel, Cabans und Matrosenhemden der Handelsmarine oder die Latzhosen und Wollmützen der Dockarbeiter. Den Schwerpunkt seiner Arbeit an Captain Santors legt Gianluigi dabei vor allem auf die sorgfältige Recherche: Nichts liebt er seit jeher mehr, als in den alten Lagerhallen der Häfen nach seltenen Fundstücken, nach Originalbekleidung aus vergangenen Jahrzehnten oder nach handgefertigten Stoffen zu suchen, die ihn auf neue Ideen für seine Kollektion bringen. Dafür reist er immer wieder durchs ganze Land, mal um den Dachboden eines Sammlers historischer Militärkleidung zu durchstöbern, mal um die kleine Schiffswerft im Dorf seiner Großmutter zu besuchen, wo noch vollständig aus Holz gefertigte Fischerboote in Handarbeit hergestellt werden. Fasziniert ist er dabei immer wieder aufs Neue von den Geschichten, die diese Fundstücke ihrem neuen Besitzer erzählen: Sei es eine alte Jacke, ein rostiger Schiffsanker oder bloß ein Stück verwittertes Segeltuch – hält Gianluigi es in seinen Händen, stellt er sich augenblicklich vor, welche Abenteuer der einstige Träger jener Jacke wohl auf See erlebt haben muss, wieviele Seemeilen jener Anker wohl auf dem Buckel haben wird und in wievielen Stürmen jenes Segel wohl treu seiner Besatzung gedient hat.

Für Außenstehende mag all das vielleicht ein wenig arg romantisch klingen, dessen ist sich auch Gianluigi bewusst. Doch taucht man einmal ein in seine wunderbare Welt der maritimen Kleidung, dann merkt man nicht nur, wie aufrichtig und authentisch er sein Label betreibt sondern auch wie zeitlos großartig seine Sachen sind. Selbst als Großstadtmensch, der nicht die salzige Meeresluft der Küste atmet und sein täglich Brot nicht mit beinharter Knochenarbeit auf einem Fischkutter oder einem Schiffsdock verdienen muss, wie vermutlich die meisten von uns, so löst Captain Santors’ Kollektion doch sofort etwas in einem aus, das auch jenen kleinen kalabrischen Jungen von einst nie mehr losgelassen hat: Es ist jene Begeisterung für große Abenteuer auf hoher See und an fernen Stränden, die wieder das Kind im Manne weckt und jene Träume aufleben lässt, die die tollkühnen Kerle unserer Kindheit für uns Realität werden ließen, egal ob sie Corto Maltese, Jacques Cousteau, Thor Heyerdahl, Efraim Langstrumpf oder Kapitän Haddock und Tim hießen. Der Geist des freien Lebensstils dieser Seefahrer und Abenteurer findet sich in den Jacken, Hemden, Hosen und Pullovern von Captain Santors genauso wieder wie der zeitlose Charme der textilen Klassiker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er steckt in den kunstvollen Nähten genauso wie in den Knöpfen aus Bein oder Steinnuss (Corozo), die den entscheidenden Unterschied zu vergleichbaren Marken ausmachen. Vor allem aber findet er sich in den ausschließlich in Handarbeit und in kleinster Auflage in Italien und Japan hergestellten Stoffen wieder, die Captain Santors für seine Kollektion verwendet. Egal ob reine Baumwolle, feinstes Leinen oder weichestes Moleskin – man muss es einmal mit den eigenen Händen begutachtet haben, um zu glauben, welch einzigartige Qualität da die Manufaktur von Gianluigi Santoro verlässt. Dass es beim Kauf – beispielsweise eines der schönen Hemden von Captain Santors – noch eine aus alten Hanftuch-Beständen der italienischen Marine hergestellte Verpackung und ein Originalkochrezept von Nonna Costanza gratis obendrauf gibt, rundet das Gesamtbild mehr als stimmig ab. Der kleine Junge aus Kalabrien mit dem Meer im Innern kann verdammt stolz auf sich und seine modernen Klassiker für den zeitlos-lässigen Mann sein!

www.captainsantors.it

Text • Mathias Lösel | Fotos • Captain Santors

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